Review: HT-1 von Mr. Blade 07.01.2017 00:25

Moin, hier ist Miro von Empire of Knives!

Zum Start habe ich für euch einen ausführlichen Test zu einem unserer Messer, dem HT-1 von Mr. Blade in taktischem Schwarz. Auch wenn ich bei meinen Tests kein Blatt vor den Mund nehme und auch auf die Nachteile eines Messers eingehe, kann man bei einem shop-internen Test natürlich nicht von unabhängig oder objektiv reden. Wir haben deshalb mit diesem Exemplar einen Pass-Around im Messerforum veranstaltet und ihr könnt euch dort weitere Meinungen zum Messer holen. Wer lieber ein Video schaut, kann sich außerdem auf Youtube den Test von Stephan123321 anschauen.



Das HT-1 von Mr. Blade ist ein richtiger Klopper. Mit über 230g und einer Gesamtlänge von knapp 23cm ist es ein wirklich ausgewachsenes Klappmesser. Dicke Liner und ein wuchtiger Griff machen das Taschenmesser zu einem Backup für alle Fälle, das seinen Platz wohl eher im Rucksack als in der Hosentasche findet. Von der Gesamtlänge kommen fast 10cm auf die Klingenlänge, die mit knapp 4mm auch eine sehr ordentliche Klingenstärke vorweist. Als Stahl kommt D2 zum Einsatz, gegen den zwar hier und da Vorurteile laut werden, mit dem ich persönlich aber nur gute Erfahrungen gemacht habe. 

Da die Schneidleistung zu den Kernkompetenzen eines jeden Messers gehört, geht es direkt mit der Klinge los. Die steht minimal rechts, ist also nicht ganz mittig. Ab Werk rasiert sie spielend leicht Armhaare. Für den Test habe ich dem Messer zum einen normale Alltagsaufgaben, wie Pakete öffnen, Paracord schneiden und andere kleine Schneidaufgaben zugetraut, die auch allesamt kein Problem waren. So etwas kann natürlich so gut wie jedes Messer, deshalb schaue ich immer gerne, wie die Klinge mit verschiedenem Gemüse klar kommt. Der Hohlschliff macht hier die fast 4mm dicke Klinge mehr als Wett und so gab es keine Probleme. Selbst Karotten wurden nicht gespalten, sondern sauber in feine Scheibchen geschnitten und auch die berüchtigte Tomatenhaut ließ sich gut durchtrennen. Das gelingt sogar mit dem hinteren Teil der Klinge. Bei der Klingenstärke hatte ich ein deutlich schlechteres Ergebnis erwartet und angenommen, dass bei einem derart wuchtigen Messer auch bei der Klinge auf maximale Stabilität zulasten der Schneidwirkung gesetzt wird. In der Vergangenheit kam es bei Messern mit Klingenbeschichtung bei Zucchinis und Frühlingszwiebeln immer wieder zu 'Quitschen' und einem erhöhten Widerstand beim Durchtrennen des Schnittguts. Das Problem trat ausgerechnet beim Spartan Blades Akribis auf, das mit einer hervorragenden DLC-Beschichtung wirbt. Widerstand gibt es beim HT-1 hingegen nicht, was zum einen an der Schneidleistung des Hohlschliffs, aber auch an der glatten Klingenbeschichtung liegen dürfte.



Die Klinge ist aber nicht nur äußerst schneidfreudig, sondern trotz Hohlschliff auch sehr stabil. Alltagsaufgaben reichten mir für ein Taschenmesser dieser Gewichtsklasse nicht, also habe ich auch etwas geschnitzt und sogar ein wenig gehackt. Geschnitzt habe ich an einem dicken Stück gut getrockneter Tuja (Lebensbaum). Ein sehr hartes Holz, bei dem sich auch feststehende Messer gerne die Zähne ausbeißen. Der Hohlschliff hat hier wie zu erwarten war keine besonders tolle Leistung gebracht und rutscht eher vom Holz ab. Der Fairness halber sollte ich dazu sagen, dass ich auch mit meinem Mora mit Scandianschliff hier Schwierigkeiten habe tief ins Holz zu kommen. Grünes Holz war hingegen kein Problem und das Messer beißt sich rein. Zum Abschluss habe ich dann noch vorsichtig auf einem dünneren Ast etwas gehackt. Auch hier war das Ergebnis was die Hauleistung angeht nicht besonders aufregend, wichtig war mir aber die Stabilität des Messers: Weder horizontales noch vertikales Klingenspiel und auch der Liner steht unverändert bei stabilen 35%. 



Zwar ziehen hier viele weniger Kontakt mit der Klinge vor, ich denke aber bei einem Messer, das vor allem im Hinblick auf Stabilität entwickelt wurde, ist diese Designentscheidung gut nachvollziehbar. Auch in der Klinge gab es keine Ausbrüche. Tatsächlich sieht man der Schneidphase die Belastung nicht an. Das Messer war ungefähr 2 Wochen lang bei mir und wurde bei jeder Gelegenheit genutzt. Nach allen Tests besteht immer noch eine sehr gute Schärfe und auch jetzt nimmt die Klinge noch Haare mit, wenn ich mit ihr über den Arm gehe. Der auf 58-60hrc gehärtete D2 Stahl bietet also eine wirklich gute Schnitthaltigkeit. Ein einfaches Abziehen auf dem Jeansbrett genügt, um es für den Pass-Around wieder frisch zu machen. Insgesamt überzeugt die Klingengeometrie also auf ganzer Linie. Die Klinge ist scharf, schneidet sehr gut und ist trotzdem stabil genug, dass man ihr im Notfall auch Aufgaben zutrauen kann, die eher in die Kategorie Missbrauch fallen.



Den Klingengang kann man ebenfalls nur als sehr gut bezeichnen. Eine einfache Schlitzschraube erleichtert hier das Einstellen, was bei diesem Testmesser allerdings nicht nötig war. Ist der ordentliche Detent einmal überwunden, fliegt die Klinge rasant auf. Ein schabendes Geräusch, wie man es von billigen Kugellagern kennt, fehlt hier komplett. Stattdessen gleitet die Klinge weich und gleichmäßig. Geöffnet wird sie entweder über den Flipper oder über beidseitig angebrachte Daumenpins. Der Flipper ist zwar einfach, verrichtet seinen Dienst aber gut und ohne Schmerzen zu verursachen. Problematisch ist allerdings der Backspacer, an dessen scharfe Kante man leicht mit dem Zeigefinger schlägt, wenn man diesen nach dem Flippen am Griff entlang gleiten lässt. Hier muss auf jeden Fall noch nachgebessert werden. Hat man aber die richtige Bewegung raus, ist das Öffnen des Messers kein Problem mehr. Alternativ können auch die Daumenpins genutzt werden, die aber ebenfalls recht scharfkantig sind. Ohne Handschuhe kommt es dann doch recht schnell zu schmerzenden Fingern oder Schrammen an den Nägeln. Abhilfe schafft ein Handschuh, für den das Messer anscheinend auch konzipiert wurde.


Der Griff ist mit fast 2cm Dicke sehr massiv und liegt satt in der Hand. Ich selbst habe Handschuhgröße 8,5 und so ragt noch ein ganzes Stück Griff aus meiner Hand, wenn ich das Messer festhalte. Das Messer ist also offensichtlich für größere Hände gedacht und so passen auch die Fingermulden bei mir nicht ganz. Ich habe trotzdem schnell eine gute Position für meine Hand gefunden, wofür auch die Daumenrampe und die geschwungene Klingenvertiefung am Klingenrücken sorgen. Leichtes Jimping hätte hier die Griffigkeit noch einmal erhöht, kann aber auch schnell für wunde Finger sorgen. Mit Handschuhen habe ich dann eine deutlich bessere Handlage und auch die Fingermulden passen. Verbessert werden muss aber noch der Liner Lock, der mir deutlich zu scharfkantig ist und noch gebrochen werden sollte. 



Arbeitet man mit dem Messer, wird die Kraft gut auf die Klinge übertragen. Die konturierten G10 Griffschalen sorgen dabei für ein angenehmes Gefühl in der Hand und Hotspots habe ich abseits der Fingermulden für mich keine gefunden. Überhaupt ist das Messer gut bis sehr gut verarbeitet. Es steht nirgendwo etwas über und auch nennenswerte Spalten gibt es nicht. Die Schrauben sind bündig in den Griff versenkt und stören nicht bei der Arbeit. Selbst der umsetzbare Pocket Clip fügt sich sehr schön in das Design des Messers ein und ist als Ganzes ein Stück weit in die Griffschale versenkt. So stören weder der Clip noch die 3 Schrauben, mit denen er stabil am Griff befestigt ist. Der Clip ist dabei äußerst straff. Für meinen Geschmack fast schon etwas zu straff, allerdings muss dieser im Zweifelsfall auch das hohe Gewicht des Messers halten können. Zwar sind die Liner skeletiert, trotzdem ist es mit über 230g alles andere als hosentaschenfreundlich. Ich sehe es deshalb eher als Backupmesser für den Rucksack, dass bei Bedarf heraus geholt oder für bequemeren Zugriff am Tragegurt befestigt wird. 



Was die Optik angeht, sollte diese von jedem nach dem eigenen Geschmack beurteilt werden. Schön finde ich, dass das Design konsequent durchgezogen wurde. Die Ausbuchtung für den Daumen am Klingenrücken wiederholt sich beidseitig auf der Oberseite des Griffs und sorgt für eine gute Handlage. Ebenso wird die Aussparung für den Pocket Clip gespiegelt. Die falsche Schneide der Klinge gibt dem Messer außerdem etwas aufregendes und mir gefällt es immer sehr gut, wenn die Klinge nicht mit Werbung zugepflastert wird. Stattdessen ist hier so klein wie möglich nur das nötigste zu sehen: Hersteller, Modell, Stahlsorte. Die komplett schwarze Hardware rundet den guten optischen Eindruck für mich ab. All-black ist eine beliebte Variante, die von vielen Herstellern aber nur unzureichend ausgeführt wird. Zu oft sieht man hier eine schwarze Klinge, schwarze Griffbeschalung und dann silber glänzende Liner oder Schrauben.



Fazit: Mr. Blade liefert mit dem HT-1 ein tolles Taschenmesser für mittelgroße bis große Hände ab, dass nicht nur hervorragende Schneidleistung bietet, sondern für einen Hohlschliff auch eine überraschende Stabilität. Mit ~80€ stimmt in meinen Augen auch der Preis, der bei den verbauten Materialien, der Verarbeitungsqualität und der in dieser Preisklasse seltenen kugelgelagerten Klinge eher ungewöhnlich ist. Ganz ohne Kritik geht es aber nicht. Mit dem HT-2 hat Mr. Blade bereits einen noch größeren Verwandten im Programm. Ich würde mir neben den bereits angesprochenen Verbesserungsvorschlägen und vielleicht auch einer Fangriemenöse für die Zukunft aber gerade ein noch kleineres und leichteres Modell für den Alltagsgebrauch wünschen und dann bei dem ausgewachsenen HT-1 mit zusätzlichem Jimping an der Daumenrampe und am Liner konsequent für noch besseren Halt beim Tragen mit Handschuhen sorgen. Der aktuelle Kompromiss aus Schneidfreudigkeit und Stabilität gefällt mir aber bereits sehr gut und ich bin beeindruckt von der Leistung, die das Messer abliefert.

Wer jetzt Lust auf das HT-1 von Mr. Blade bekommen hat, findet das Messer bei uns im Shop. Auch eine Variante ohne Klingenbeschichtung und das größere HT-2 haben wir auf Lager.


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